Yaks in der Eifel – Besuch bei der Herde der Familie Schmitz
Stefan ist einfach super. Warum? Das ist eine seeehr lange Geschichte.
Manchmal trifft man Menschen, bei denen man sofort merkt, dass sie nicht einfach ein Hobby betreiben oder ein Geschäft führen. Sie leben für etwas. Genau so ist es bei Stefan Schmitz von eifel-yaks.de. Wer ihn einmal besucht, merkt schnell: Hier geht es nicht um Marketing oder um irgendeine exotische Idee. Hier geht es um echte Leidenschaft – und um Tiere, die man nicht mehr vergisst, wenn man ihnen einmal begegnet ist.
Ich habe Stefan und seine Herde in der Ost-Eifel besucht, nicht weit vom Nürburgring, der Hohen Acht, Mayen und Ahrweiler entfernt. Die Landschaft dort wirkt bereits auf den ersten Blick wie geschaffen für Tiere: weite Weiden, sanfte Hügel, Waldstücke, viel Luft und Ruhe. Der Hof der Familie Schmitz liegt auf rund 515 Metern Höhe, einige der Weideflächen sogar noch höher.
Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass die Tiere hier außergewöhnlich gut leben. Selten sieht man Nutztiere in einer Umgebung, die so gerecht wirkt. Fast schon im Übermaß an Freiheit. Rund 15 Hektar Weideland und mehrere Hektar Wald bilden den Lebensraum der Herde. Yaks, Alpakas und Pferde teilen sich diese Landschaft – im Einklang mit der Natur, ohne Enge, ohne Stress.
Es gibt übrigens zwei Tiergruppen, bei denen mein Herz zuverlässig schneller schlägt: Yaks und Kameliden. Also Alpakas, Vikunjas, Guanakos und Lamas. Aber diesmal sind es ganz klar die Yaks, die mich sofort in ihren Bann ziehen.
Yaks haben eine Präsenz, die schwer zu beschreiben ist. Ihr langes Fell, die gebogenen Hörner, die kräftigen Schultern und dieser ruhige, zugleich wachsame Blick – all das verleiht ihnen etwas Ursprüngliches. Man versteht sofort, warum sie seit Jahrtausenden in den Hochgebirgen Zentralasiens überleben.
Eine Lacerta agilis, Zauneidechse, auf Stefans Hand
Ursprünglich stammen sie aus dem Himalaya und leben dort in Höhen von bis zu 6000 Metern. Seit mehreren tausend Jahren sind sie für die Menschen in diesen Regionen überlebenswichtig. Sie liefern Fleisch, Milch, Wolle und Leder, dienen als Last- und Reittiere und liefern sogar Brennmaterial über getrockneten Dung. Ohne Yaks wäre ein Leben in vielen Hochgebirgsregionen schlicht nicht möglich gewesen.
Der domestizierte Hausyak ist zwar etwas kleiner als die wilde Form, aber immer noch beeindruckend. Kühe erreichen etwa 110 bis 130 Zentimeter Schulterhöhe, Bullen können deutlich größer und schwerer werden. Ihre Anpassungsfähigkeit an extreme Klimabedingungen ist bemerkenswert. Sie sind trittsicher im Gelände, schwimmen problemlos und bewegen sich auch in schwierigem Terrain erstaunlich elegant.
Stefan züchtet Yaks seit rund zehn Jahren. Doch was ihn besonders macht, ist nicht nur die Zucht selbst, sondern die Art, wie er über diese Tiere spricht.
Wenn er merkt, dass ein Besucher wirklich Interesse hat, nimmt er sich Zeit. Und zwar richtig Zeit.
Ich habe gut zwei Stunden bei ihm verbracht – und ehrlich gesagt nicht einmal gemerkt, wie schnell sie vergangen sind. Stefan ist eine wandelnde Yak-Enzyklopädie. Er kennt jedes Tier, jede Eigenheit, jede Geschichte.
Wenn ein Kalb geboren wird, ist er praktisch eine Yak-Hebamme. Wenn Krankheiten auftreten, kennt er Symptome und Lösungen. Und wenn man einfach nur zuhören möchte, erzählt er mit einer Begeisterung, die sofort ansteckend wirkt.
Dabei teilt er sein Wissen großzügig. Ohne Geheimnisse, ohne Überheblichkeit. Man spürt, dass hier jemand über Jahre Erfahrungen gesammelt hat – und sie mit Freude weitergibt.
Vielleicht ist Stefan deshalb tatsächlich ein wenig ein Dinosaurier unserer Zeit. Wobei – wenn man es genau nimmt – ist er eher ein Yak: ruhig, wachsam, stark und mit einer erstaunlichen Gelassenheit.
Stefan Schmitz, der aufmerksame Hüter seiner Yak-Herde
Neben der Zucht spielt auf dem Hof natürlich auch ein anderes Thema eine Rolle: Yak-Fleisch.
Für viele Menschen ist das zunächst etwas Unbekanntes. Doch wer sich darauf einlässt, entdeckt eine Fleischqualität, die man durchaus als Gourmet bezeichnen darf.
Yak-Fleisch ist außergewöhnlich mager, reich an Eiweiß, Eisen und Mineralstoffen. Es enthält weniger Fett als herkömmliches Rindfleisch und ist gleichzeitig sehr aromatisch. Die Farbe ist durch den hohen Myoglobingehalt intensiv rot. Der Geschmack erinnert ein wenig an Wild oder Bison – kräftig, aber fein.
Gerade weil das Fleisch so mager ist, verlangt es beim Kochen etwas Aufmerksamkeit. Doch wer sich an ein gutes Rezept für Wildfleisch hält, wird schnell merken, wie vielseitig es sich zubereiten lässt.
Und wenn man es richtig macht, entsteht am Ende auf dem Teller ein Gericht, das man ohne Übertreibung als Michelin-reif bezeichnen könnte.
Wir haben mittlerweile schon zwei Yak-Gerichte innerhalb einer Woche gekocht – und waren jedes Mal begeistert. Das Fleisch bleibt saftig, entwickelt ein tiefes Aroma und wirkt gleichzeitig leicht.
Kurz gesagt: Es ist eine echte Gourmet-Entdeckung.
Auch die Preise bei der Familie Schmitz sind erstaunlich fair. Ehrlich gesagt hätte ich kein Problem damit, deutlich mehr zu bezahlen. Allein die Art, wie hier mit den Tieren umgegangen wird, wäre es wert.
Doch das vielleicht Schönste an diesem Besuch ist die Nähe zu den Tieren selbst.
Man steht mitten auf der Weide, hört das leise Grunzen der Yaks – daher auch ihr alter Name „Grunzochse“ – und sieht, wie ruhig sie sich in der Herde bewegen. Wachsam, aber gelassen. Intelligent, sozial und erstaunlich freundlich.
Selten kommt man diesen Tieren in Deutschland so nahe.
Für mich war dieser Nachmittag deshalb weit mehr als ein Besuch auf einem Hof. Es war eine Begegnung mit einer Tierart, die eine unglaubliche Geschichte trägt – und mit einem Menschen, der sein Herz genau diesen Tieren gewidmet hat.
Am Ende habe ich sogar einen kleinen Glücksbringer mitgenommen: eine dicke Locke Yak-Wolle. Vielleicht liegt es daran, dass ich als Kind zu viel Winnetou gelesen habe – aber ein bisschen glaube ich an solche Talismane.
Fest steht jedenfalls: Wer Tiere liebt, wer gute Lebensmittel schätzt und wer echte Leidenschaft erkennen kann, sollte Stefan und die Yaks der Familie Schmitz unbedingt einmal besuchen.
Und wer die Gelegenheit hat, Yak-Fleisch mitzunehmen, sollte sie unbedingt nutzen.
Denn selten bekommt man ein Produkt, bei dem Herkunft, Haltung und Qualität so überzeugend zusammenpassen.
Für mich ist klar: Ich komme wieder.