Luftlinien – Fliegen mit dem Objektiv
Wenn ich an Fliegen denke, denke ich zuerst an Stille. An dieses fast körperlose Gleiten, das ich aus dem Segelflug kenne, wenn Thermik trägt und der Horizont weit wird. Dort oben ist der Blick frei, aber auch weit gestreut. Bei der Drohnenfotografie ist es anders. Sehr viel konzentrierter. Erdnaher. Fast meditativ. Ich fliege zwar ein Gerät – aber eigentlich bewege ich nur ein Objektiv.
Mit meiner DJI Mavic 2 Pro geht es mir nicht um Technik, nicht um Reichweite, nicht um Höhe. In dem Moment, in dem die Drohne abhebt, verschwindet sie für mich fast vollständig aus dem Bewusstsein. Alles verengt sich auf das Bild. Auf Linien, Licht, Kontraste. Auf das, was die Landschaft preisgibt, wenn man sie aus einer Perspektive betrachtet, die weder ganz menschlich noch ganz abstrakt ist.
Der Embalse de Mediano ist dafür ein idealer Ort. Nicht spektakulär im klassischen Sinn, nicht dramatisch. Und gerade deshalb so stark. Wasser, das alte Strukturen überdeckt, Uferlinien, die je nach Wasserstand immer wieder neu gezeichnet werden. Der Kirchturm, der aus dem See ragt, ist bekannt – aber mich interessiert weniger das Symbol als das Zusammenspiel aus Form, Farbe und Zeit. Wie sich Wasser über Geschichte legt, ohne sie ganz verschwinden zu lassen.
Wenn ich die Drohne steuere, bin ich vollkommen auf das Objektiv fokussiert. Ich denke nicht daran, dass sie fliegt. Ich denke in Bildern. In Flächen. In Bewegungen. Das unterscheidet diese Art des „Fliegens“ grundlegend vom Segelflug. Dort bin ich Teil des Systems aus Luft, Maschine und Körper. Hier bin ich Beobachterin. Still. Präzise. Geduldig.
Die besten Aufnahmen entstehen nicht, wenn ich viel bewege, sondern wenn ich fast nichts tue. Ein leichtes Verschieben. Ein langsames Drehen. Warten, bis das Licht kippt. Warten, bis eine Wolke einen Schatten über das Wasser zieht. Drohnenfotografie hat für mich nichts mit Schnelligkeit zu tun. Sie ist das Gegenteil. Ein bewusster Verzicht auf Aktion zugunsten von Wahrnehmung.
Am Embalse de Mediano zeigt sich das besonders deutlich. Die Farben verändern sich ständig. Morgens wirken sie kühl, fast grafisch. Mittags werden sie hart, kontrastreich. Am späten Nachmittag schließlich entsteht diese warme Tiefe, in der Wasser und Land kaum noch zu trennen sind. Aus der Luft werden Ufer zu Linien, Vegetation zu Textur, Wege zu feinen Spuren. Es ist, als würde die Landschaft ihre eigene Zeichnung freigeben.
Was mich daran so fesselt: Diese Perspektive zwingt mich, anders zu sehen. Nicht narrativ, nicht erklärend. Sondern abstrakt. Ein gutes Drohnenfoto erzählt keine Geschichte im klassischen Sinn. Es öffnet einen Raum. Es lässt Fragen zu. Genau das suche ich. Bilder, die nicht sagen: „So ist es“, sondern: „Schau noch einmal genauer hin.“
Vielleicht hängt meine Liebe zur Drohnenfotografie auch damit zusammen, dass sie Kontrolle und Loslassen verbindet. Ich kontrolliere die Kamera, den Ausschnitt, den Moment. Aber ich habe keinen Einfluss auf das Licht, auf das Wetter, auf das, was sich im Bild zufällig ergibt. Diese Mischung aus Präzision und Offenheit fühlt sich für mich sehr stimmig an.
Am Ende lande ich die Drohne oft mit dem Gefühl, selbst unterwegs gewesen zu sein – obwohl ich keinen Schritt gemacht habe. Fliegen ohne Körper. Sehen ohne Eingreifen. Der Embalse de Mediano gibt mir dafür genau den richtigen Rahmen. Ruhig. Weit. Und voller Details, die man nur erkennt, wenn man bereit ist, sich ganz auf das Bild einzulassen.